Joyce Maynard, Gute Töchter

Gute TöchterKlappentext:

„Aber wir wollten mehr als seine Lieblinge sein. Wir wollten seine Helfer und Handlanger, seine Geheimwaffe sein. Wir lebten vielleicht nicht mehr mit ihm zusammen. Aber wir würden für ihn unersetzlich sein.“

„Wie fühlt es sich an, tot zu sein?“ Rachel hält so lange wie möglich den Atem an, liegt neben ihrer elfjährigen Schwester auf dem Berghang und beobachtet, wie die Geier über ihnen Kreise ziehen – über dem Hang, auf dem der Sunset Strangler mehrere Frauen umgebracht hat. Es ist eins der folgenschweren Spiele eines Sommers, in dem die Mädchen ihrem Dad, dem Detective, helfen und den Mörder stellen wollen – mit verhängnisvollem Ausgang. Denn sie bringen sich in höchste Gefahr und nach diesem Sommer ist nichts mehr, wie es einmal war.

Die Autorin erzählt in einem ruhigen, angenehmen Erzählstil eine bewegende Geschichte über das Amerika in den 70ern, über Familie und über das Erwachsenwerden. Dabei beginnt die Erzählung langsam und bedächtig, wie ein Sommer auf dem Land.

Rachel, die ältere der beiden Schwestern, erzählt die Geschichte ihrer Jugend rückblickend und ein wenig verklärt. Wir werden mit den Lebensumständen der Schwestern vertraut gemacht und erhalten ein recht klares Bild der Mädchen, denen zwar – bedingt durch die Depression der Mutter und dem scheidungsbedingt abwesenden Vater – nicht viel elterliche Sorgfalt entgegengebracht wird, die aber doch ihr Leben genießen. Sie verbringen viel Zeit miteinander und mit fantasievollen Spielen, statt sich den Gleichaltrigen anzuschließen und doch sind sie glücklich in ihrer Welt.

Das ländliche Idyll vor den Toren von San Francisco, in dem die beiden leben, wird plötzlich durch einen Serienmörder gestört, der die „Spielwiese“ der Mädchen unsicher macht. Beginnend mit den Morden baut sich nach und nach Spannung auf, die durch das Eingreifen von Rachel und Patty in das Geschehen weiter gesteigert wird.

Die beiden Schwestern (vor allem die sehr fantasievolle Rachel) verkennen den Ernst der Lage und wollen – fast auch wie in einem Spiel – unbedingt ihrem heißgeliebten Vater, einem Kriminalkommissar, helfen, die Serienmorde an den jungen Frauen aufzuklären und bringen sich und andere dabei in große Gefahr.

Gute Töchter ist selbstverständlich kein Krimi (ich weiß gar nicht, wie manche Rezensenten darauf kommen?), obwohl die typischen Versatzstücke wie Mörder, Leichen und Kommissare nicht fehlen.

Vordergründig ist der Roman eine Familiengeschichte, eine Geschichte über schwesterliche Liebe und Zusammenhalt und zugleich die Initiationsreise eines jungen Mädchens.

Gerade über letzteres ließe sich übrigens eine wundervolle literaturwissenschaftliche Arbeit schreiben … soviel Symbolik 🙂 Wer Abbitte von Ian McEwan kennt, findet sicher auch spannende Vergleichsmöglichkeiten.

Meiner Meinung nach ein absolut empfehlenswertes Buch mit verdienten 4 Lesesternen.

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 1 (9. Oktober 2015)
ISBN-10: 3959670060
ISBN-13: 978-3959670067
Originaltitel: After Her

 

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