Kurzrezis vom Oktober/November 2006

Kazuo Ishiguro, Was vom Tage übrigblieb
Stevens ist der Idealbutler – sein Leben hat er in den Dienst seiner Herrschaft gestellt und zweifelt nie an dem Tun seines Lords. Gefühle ignoriert er oder überspielt sie und Humor muss er erst durch eifriges Studium von Büchern lernen.
Auf seiner Reise durch das ländliche England reflektiert der alternde Mann über seine Vergangenheit und lässt den Leser durch seine kritiklosen Schilderungen gesellschaftskritische Einblicke gewinnen.
Gute Story, ein starker Erzähler und sprachlich formvollendet (auch wenn ich das Buch nur auf Deutsch gelesen habe). Trotzdem „nur“ (****), da mich die Handlung nicht gefesselt hat.

Juliette Marillier, Die Priesterin der Insel
Wie Brüder wachsen der Krieger Eyvind und der machthungrige Taktiker Somerled in den Nordlanden auf. Die Suche nach einem neuen Land verschlägt die Wikinger auf die Orkney-Inseln, auf denen seit langer Zeit ein friedliches Volk im Einklang mit der Natur lebt. Schon bald kommt es zu Konflikten zwischen den Einheimischen und den Kriegern und die junge Priesterin Nessa muss eine entscheidende Rolle für ihr Land spielen.
Wieder etwas aus der Kategorie „Historische Fantasy für Frauen“, allerdings – für mich – um einiges lesbarer als Diana Gabaldon. Zwar ist der erste Teil etwas langatmig und emotionslos (man merkt, dass sich die Autorin in der Männerwelt der Krieger nicht so recht aufgehoben fühlt – vielleicht ist es ja auch ein Stilmittel, jedoch kommt es nicht so an), aber das ändert sich, als wir auf den Orkney-Inseln ankommen. Ab dann wird der Erzählstil flüssiger und die Geschichte beginnt an Spannung zu gewinnen, selbst die unabdingbare Liebesverwicklung wird nicht allzu pappsüß. Ja, es hat Spaß gemacht (*****)

James Redfield, The Secret of Shambala
Das bewerte ich gar nicht erst … James Redfield begibt sich als sein Alter Ego, der naive Pilger, einmal mehr auf die Suche nach den ultimativen esoterischen Einsichten. Gejagt von chinesischen Soldaten geht es quer durch Tibet, um das Geheimnis des mysteriösen Ortes Shambala bzw. Shangri-La zu lüften.
Wer’s mag …

Minette Walters, Des Teufels Werk
Connie Burns, tätig für die Nachrichtenagentur Reuters, kommt mitten im Bürgerkrieg in Sierra Leone einem Serienkiller auf die Spur. Einem Söldner, der die chaotischen Zustände ausnutzt, um Frauen zu vergewaltigen und sadistisch zu foltern. In Bagdad setzt er sein Teufelswerk fort. Dort gerät auch Connie Burns in seine Gewalt, wird tagelang in einem Keller gefoltert.
Sie kehrt zurück nach Dorset, lebt völlig abgeschieden am Rand eines kleinen Dorfs, doch auch hier kommt sie nicht los von ihrem Peiniger.
Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben – und plötzlich schreibt Frau Walters dann doch wieder ein mitreißendes, aufwühlendes und spannendes Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Eine böse Geschichte um Gewalt und Vergeltung. (*****)

Anthony O’Neill, Der Hüter der Finsternis
Edinburgh, Ende des 19. Jahrhunderts: Eine Reihe schrecklicher Morde versetzt die Bevölkerung der schottischen Metropole in Angst und Schrecken.
Auf den ersten Blick scheint die Opfer nichts miteinander zu verbinden – außer geheimnisvollen Notizen, die sich bei jedem von ihnen finden. Erst allmählich wird klar, dass sie sich im Umfeld einer mysteriösen Vereinigung bewegten, der „Spiegelgesellschaft“ und das eine junge Frau, eine wichtige Rolle zu spielen scheint, die behauptet, von jedem der Morde geträumt zu haben? Eine Frau, die ihre Kindheit in einem Waisenhaus verbracht hat, in dem offenbar nicht alles mit rechten Dingen zuging …
Ein merkwürdiges Buch – der Klappentext spricht noch von einem Thriller, aber das ist es bei weitem nicht. Vielmehr eine metaphysische Reise zu einem nicht wirklich lohnenswerten Ziel. Wirre Geschichte, komische Figuren, ansatzweise Spannung (***)

Kai Meyer, Die Muschelmagier
In der Fortsetzung von den „Wellenläufern“ werden Jolly und Munk in den Korallenpalästen der Stadt Aelenium auf den Kampf gegen den Mahlstrom vorbereitet. Doch Jolly sehnt sich zurück nach ihrem Leben als Piratin. Als Klabauterheere vor Aelenium aufmarschieren, beginnt eine abenteuerliche Flucht: Über magische Brücken und dunkle Meere, durch wilde Dschungel und auf verlassene Inseln führt ihre Reise. Erst als Munk sie vor eine Entscheidung stellt, erkennt Jolly in ihm ihren gefährlichsten Gegner: Der Kampf um die Magie der Muscheln beginnt.
Es bleibt fesselnd … wie dumm, dass der dritte Teil schon seit Wochen ausgeliehen ist! (******)

Anne Perry, Belgrave Square
London, Ende des 19. Jahrhunderts: Inspektor Thomas Pitt wird von seinem Vorgesetzten Drummond gebeten, in einem Fall zu ermitteln, der eigentlich in die Zuständigkeit einer anderen Polizeiwache fällt. Ein zwielichtiger Wucherer und Geldverleiher wurde ermordet. Ein Bekannter von Drummond fürchtet, in den Fall verwickelt zu werden, da er von dem Opfer erpresst wurde.
Ich fürchte, das war das erste und letzte Buch, dass ich von Anne Perry gelesen habe. Wenn „atmosphärisch“ gleichbedeutend ist mit unzähligen Nebensächlichkeiten, die diesen Roman füllen, dann ist „Belgrave Square“ ein wahrhaftes Meisterwerk. Die eigentliche Geschichte ist unspektakulär und ließe sich wahrscheinlich auf zwei Seiten schildern, doch die Autorin verfolgt nahezu jede (unwichtige) Figur mit Argusaugen (hat sie eventuell Angst, dass sie sich selbstständig machen und Charakter zeigen??) und berichtet haarklein über Kleider, Bälle, Frisuren, bla bla. Es interessiert nicht, es ist langweilig, es ist schlecht, so. Ich bewerte mal wieder lieber nicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s