Anne Rice, Merrick

Louis de Pointe du Lac leidet noch immer am Tod des Vampirkinds Claudia, für den er sich verantwortlich macht, und will die Mayfair-Hexe Merrick dazu bewegen, Claudias Geist in einem Vodoo-Ritual heraufzubeschwören.

Sein Freund David Talbot, ehemaliger Generaloberst der Talamasca, soll den Kontakt herstellen, weiß aber aus eigener Erfahrung, welche Gefahren seinem Freund durch dieses Ritual drohen. Aber auch Merrick scheint ganz eigenes Interesse an den Vampiren zu haben … 

Vielleicht macht es einfach Sinn, wenn man mal ein paar Jahre lang keine Bücher von Anne Rice liest oder vielleicht sollte man die Bücher einfach nur im Original lesen?

Ich habe seinerzeit die ersten drei Romane aus der “Chronik” gelesen und danach gelegentlich einen Band aus der Bücherei geholt und zugegebenermaßen hat mir – abgesehen vom “Interview”, das natürlich das Genre des Vampirromans komplett revolutioniert hat – nichts wirklich gefallen: Die erzählten Geschichten waren so gar nicht meins und die Sprache hat mich desöfteren zum Kopfschütteln gebracht.

Merrick (im englischen Original) ist durch Zufall bei mir gelandet, da ich von einer Freundin, die ihren Haushalt verkleinert, Fantastillionen an Büchern geerbt habe. Nach Haruki Murakami und Zadie Smith war mir nach ein wenig Fantasy, und so habe ich den Roman aus dem Stapel gezogen und ich war angenehm überrascht.

Die oben geschriebene Zusammenfassung macht etwa ein Drittel des Buches aus und dient im Grunde nur als Rahmen für David Talbots Bericht für Louis. Um letzteren auf Merrick vorzubereiten, erzählt David über seine erste Begegnung mit Merrick, ihre Familiengeschichte, ihre gemeinsamen Abenteuer im südamerikanischen Dschungel und seine Faszination für die um viele Jahre jüngere Frau.

Merrick selbst erscheint in diesem Bericht als mysteriös-kapriziöse Voodoo-Hexe, deren Motivation nicht erkennbar bleibt. Was sie an dem steifen Schöngeist David findet, den sie nicht nur als Mittel zum Zweck einsetzt, konnte ich nicht nachvollziehen, ebensowenig warum sie sich für eine Existenz als Vampir entschieden hat.

Zum Zeitpunkt der Geschichte ist David selbst auf wundersame Weise verjüngt und praktischerweise auch noch zum Vampir gemacht worden (in irgendeinem Vorgängerband). Dummerweise hat sich das nicht auf seine Sprache ausgewirkt, denn seine Erzählung hat die Verve eines viktorianischen Großvaters.

Wir haben somit einen eher behäbigen Erzählfluss, der erst an Tempo gewinnt, als das Ritual – im hinteren Drittel des Buches – schlussendlich durchgeführt wird, der ewige Zweifler Louis ein bisschen etwas anderes erfährt, als er erhofft hat und – der in den vergangenen Jahren im Dornröschenschlaf leicht eingestaubte Lestat – erwacht und erfrischenden Pepp in die Geschichte bringt.

Das ist sicher kein Werk, welches mich nun plötzlich zum Anne Rice-Fan mutieren lässt, aber es hatte einen überraschenden Charme und genug Südstaaten-Mentalität für gute dreieinhalb Punkte auf meiner Leseskala.

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