Kurzrezis vom Juli 2006

– Daniel Kehlmann, Die Vermessung der Welt (2005)
Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt machen sich unabhängig voneinander auf, die Welt zu vermessen und der Leser erlebt zwei Sonderlinge, die in ihrem Wahn aufgehen und darüber Herz und Gefühl vergessen.
Nett, aber nicht nachhaltig [***]

– Orhan Pamuk, Rot ist mein Name (2001)
Fälschlicherweise von den Rezensenten oft als historischer Krimi abgetan, bietet der Roman doch viel mehr Facetten als den Mord an einem Miniaturenmaler.
Ein spannender farbenfroher Einblick in das mittelalterliche osmanische Reich, der immer wieder die gegenwärtigen Konflikte zwischen Ost und West ins Gedächtnis ruft, gelungene Erzählperspektiven und hübsch atmosphärisch. [****]

– Diana Gabaldon, Feuer und Stein (1998)
OMG. Wie viele Schundromanzen und billige Kostümfilme muss man gelesen bzw. gesehen haben, um 700 Seiten Redundanz zu produzieren?
Eine englische Krankenschwester fällt in den schottischen Highlands in ein Zeitloch, landet im Jahr 1743, inmitten der Kämpfe zwischen Schottland und England, lernt natürlich einen feschen jungen Highlander kennen und lieben und erlebt haarsträubende Abenteuer.
Ein überdimensionierter Groschenroman mit unglaublichen Figuren, dümmlichen Szenen und oft unfreiwillig komischen Sprachgebilden. [*]

– Neil Gaiman, Anansi Boys (2006)
Die Söhne von Spinnengott Anansi lernen sich nach dessen Tod kennen, doch die „family reunion“ gestaltet sich als etwas schwierig, mischt sich doch der umtriebige Spider ein wenig zu sehr in das Leben seines spießigen Bruders Fat Charly.
Wie der den Widersacher wieder loswird und schlussendlich doch zu ihm findet, erzählt Neil Gaiman in bewährter fantasievoller Manier und mit sehr viel britischem Humor. [******]

– Marc Levy, Sieben Tage für die Ewigkeit (2004)
Wetten zwischen Himmel und Hölle und Begegnungen zwischen Englein und Teuflein können Stoff für brillante Geschichten sein. Hier bleibt jedoch alles sehr unmotiviert.
Warum verliebt sich der Abgesandte der Hölle in den Engel Zofia? Was findet die an dem unsympathischen Kerl? Zudem langweilig und zusammenhanglos erzählt. [*]

– Ian McEwan, Abbitte (2001)
Er kann es also noch – böse Romane schreiben. Ein 13-jähriges Mädchen mit viel Phantasie spinnt sich ein Szenario zusammen, das das Leben einiger Menschen für immer zerstört. Erst als erfolgreiche Schriftstellerin versucht sie mit Hilfe der Literatur, die zuvor alle Tragödien auslöste, Abbitte zu leisten.
Eine genial gestrickte Geschichte, atmosphärisch dicht und drückend. Ein Buch, das eigentlich gar nicht hätte aufhören dürfen. [******]

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