Angst vor der Versuchung

Die Menge der Bücher beunruhigte ihn. Es war fast, als könnten ihn die Millionen von Argumenten zwischen den Buchdeckeln zu Dingen verführen, die er nicht tun wollte. Bücher waren Teil seines Lebens, seines Berufs, doch das änderte nichts an der Hassliebe, die er für sie empfand. So wie manch einer Menschenmengen mied, ging Jupiter größeren Ansammlungen von Büchern aus dem Weg. Er empfand ihnen gegenüber die gleiche Scheu, die andere im Angesicht eines Hypnotiseurs verspürten: Er wusste um ihre Macht, zu verführen, zu beeinflussen, Menschen zu verändern. Insgeheim hatte er den irrationalen Verdacht, dass es gar nicht nötig war, sie zu öffnen, um den Geist aus der Flasche zu lassen.

aus: Kai Meyer, Die Vatikanverschwörung

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s