Wolfram Fleischhauer, Das Buch, in dem die Welt verschwand

Man schreibt das Jahr 1780. Große Ideen durchziehen das Land. Mystische Zirkel und Geheimbünde blühen allerorten. In der fränkischen Grafschaft Alldorf ist es zu merkwürdigen Todesfällen gekommen, und der junge Arzt Nicolai Röschlaub soll bei der Aufklärung helfen. Ist ein bislang unbekanntes Gift im Umlauf? Bahnt sich eine Verschwörung an?

Je tiefer Nicolai dringt, desto unheimlicher wird der Fall. Plötzlich erhält er den Befehl, seine Nachforschungen einzustellen. Er weigert sich und gerät dadurch selbst in Lebensgefahr. Mit einer jungen Frau, die mehr über die Vorfälle zu wissen scheint, als sie zugeben will, flieht er an die äußerste Grenzen des Reiches – und macht eine Entdeckung, die seine Vorstellungskraft sprengt …

Je nun, noch einmal Geheimbünde und munkelnde mauschelnde Dunkelmänner.

Hier hat mich der Titel angezogen, denn der klingt, als ginge es um Literatur und vielleicht metafiktionale Rätselwelten. Da lag ich mit meinen Vermutungen aber denn doch etwas daneben, geht es hier doch eher um Philosophie und hierbei um das Verschwinden der bis dato bekannten Weltsicht durch Kants Werk „Kritik der reinen Vernunft“.

Ich ordne das Buch ins Regal Unterhaltungsliteratur mit einer kleinen Portion intellektuellem Anspruch. Zwar beschäftigt es sich mit hochbrisanten philosophischen Themen, doch Otto Normalleser dürfte davon zu wenig Ahnung haben und für Philosophen ist der Roman schlichtweg zu banal. Nun ärgere ich mich grundsätzlich über Autoren, die ihren Lesern ihr gesamtes Wissen um die Ohren schlagen, aber ein kleiner Exkurs zur Geschichte und Philosophie wäre hier wünschenswert gewesen.

Was bei Fleischhauer anfangs spannend ist, wird mehr und mehr zum Ärgernis, muss man sich doch erst durch 75 Prozent des doch recht umfangreichen Buches lesen, um überhaupt zu ahnen, worum es geht. Auch bleibt unklar, warum Geheimlogen und Dunkelmänner und -frauen ihre – für uns kaum nachvollziehbaren – Werte denn mit brutalstem Mord und Todschlag beschützen müssen.

Es mag zwar durchaus im Sinne des Autors gewesen sein, den Leser ebenso naiv zu halten, wie den Helden, doch der Überraschungseffekt bleibt schlussendlich – obwohl unerwartet – lau.

Ein Buch, in dem man sicher viel entdecken kann, aber nicht muss.

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