John Boyne, Der Junge im gestreiften Pyjama

[Bruno wächst zu Beginn des zweiten Weltkrieges wohlbehütet und glücklich mit seiner Familie in Berlin auf. Doch dann muss er plötzlich an einen Ort namens „Aus-Wisch“ umziehen, weil der „Furor“ den Vater dort für eine wichtige Aufgabe vorgesehen hat. Bruno kann das nicht verstehen und hasst sein neues, graues Zuhause, das in einer öden Gegend liegt, wo keiner mit ihm spielt. Besonders schrecklich und rätselhaft ist der endlose Stacheldrahtzaun hinter seinem Haus, hinter dem Menschen in gestreiften Schlafanzügen in Baracken leben. Die Antworten, die der Junge auf seine Fragen nach den „Menschen hinter dem Zaun“ erhält (Antwort des Vaters: „Das sind gar keine Menschen“) bringen ihn auch nicht weiter.

Dann lernt er auf einem seiner Spaziergänge den gleichaltrigen Schmuel kennen, der auf der anderen Seite des Zaunes lebt, einen gestreiften Pyjama trägt und schrecklich abgemagert ist. Heimlich trifft sich Bruno von nun an fast täglich mit Schmuel und es entwickelt sich eine Freundschaft, die nur ein tragisches Ende finden kann.]

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was diese Geschichte betrifft – ein junger Ire schreibt über deutsche Geschichte, ein mutiges Unterfangen und dafür eigentlich recht gut gelungen.

Trotzdem konnte ich mir – wie auch einige Leser vor mir schon geschrieben haben – nicht vorstellen, dass ein neunjähriger Knabe im Dritten Reich dermaßen naiv ist, wie Bruno, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird. Vor allem, wenn man noch Angehörige hat, die diese Zeit selbst als Kinder erlebt haben. Vielleicht wäre ein fünfjähriger Bruno glaubhafter gewesen?

Ich musste gelegentlich an den Film “Das Leben ist schön denken”, wobei ich in Erinnerung hatte, dass das Kind dort jünger ist (kann mich aber täuschen).

Eine Fabel soll es sein, mit dieser ursprünglichen Definition kämpfe ich nach wie vor noch – möglicherweise ist damit eine universelle Geschichte gemeint, die durch die gewählte kleinkindliche Perspektive Jugendlichen/jungen Lesern das Thema Holocaust näherbringt, aber mir nach wie vor nicht ganz einleuchtet. Eine Geschichte, die uns nachdenken machen soll, über eine Barriere/einen Zaun, die/der trotz aller geschichtlicher Veränderungen nie wirklich eingerissen wird.

Das Buch hat mir dennoch gefallen – wobei ich immer noch nicht genau definieren kann, wo der Reiz gelegen hat (es bewegt und man denkt wieder einmal – aus einer anderen Perspektive – über die Geschichte des eigenen Landes nach, vielleicht liegt es daran, vielleicht auch daran, dass es mehrere Lesarten gibt, an dieses Buch heranzugehen).

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