Audrey Niffenegger, Die Zwillinge von Highgate

[Elspeth war Roberts große Liebe. Jetzt liegt sie auf Highgate, dem romantisch verwildertem Friedhof Londons. Doch Elspeth scheint lebendiger als je zuvor, denn die Erinnerungen sind stärker als der Tod. Robert riecht sie, spürt sie, spricht mit ihr. Es ist als lebe sie weiter und als sei ihr Tod nur ein böser Traum. Alle, die ihr nahestanden, geraten in ihren Bann. Bis ihre Nichten, die Zwillinge Valentina und Julia eine fatale Wette mit ihr eingehen.]

Ein wunderbares Setting: Der Highgate Friedhof in London ist in diesem Roman wirklich entsprechend gewürdigt worden. Man merkt, dass die Autorin dort einige Zeit mit Recherche zugebracht hat und dass ihr der Ort am Herzen liegt – weniger scheinbar die Geschichte, die sie uns erzählt.

Die Gespenster-Story mit und um die zwei Zwillingspaare ist an sich eine gute Idee für den ausgesuchten Schauplatz. Leider ist die Umsetzung nicht überzeugend. Es krankt zum einen am „Unheimlichen“, das eine Geistergeschichte prägen sollte und das so gut wie nicht vorhanden ist – wenn mit dem Motiv gespielt wird, dann wirkt es an den Haaren herbeigezogen, sehr bemüht und oft einfach unfreiwillig lachhaft.

Das Fehlen der unheimlichen Atmosphäre liegt mit Sicherheit auch an der Distanz, mit der Frau Niffenegger an ihre Geschichte und auch an ihre Charaktere herangeht. Was bei der „Frau des Zeitreisenden“ zu viel war (nämlich die gefühlte Anwesenheit der Autorin auf jeder Seite), ist bei den „Zwillingen von Highgate“ zu wenig. Ein bisschen mehr Wärme, Nähe und Emotion hätte der Geschichte sowie den Figuren sicher nicht geschadet.

Bei den Charakteren lassen sich demzufolge weder die große Trauer noch die psychischen Probleme, an denen angeblich alle leiden, nachvollziehen – die Schilderung von dramatischen Schicksalen plätschert nahezu leicht vor sich hin und beim Leser entsteht so keinerlei Mitgefühl. Die glaubhafteste und anrührendste Figur in der ganzen Geschichte ist keiner der Hauptcharaktere, sondern der zwanghafte Nachbar – der allerdings auch relativ schnell eine nahezu komplette Wunderheilung erhält.

Dennoch ist der Roman eine leicht lesbare Lektüre, mostly harmless, es gibt natürlich auch gute Szenen – vor allem für London- und Highgate-Freunde – und er verdient auf alle Fälle drei LB-Sternchen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s