Mo Hayder, Haut

[Als die Leiche einer als vermisst gemeldeten Frau in der Nähe von Bristol gefunden wird, deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch es gibt ein paar Auffälligkeiten, die Detective Inspector Caffery misstrauisch werden lassen. Und tatsächlich bleibt es nicht bei einer Toten.

Während Caffery zusammen mit der Polizeitaucherin Flea Marley versucht, die Hintergründe der mysteriösen Selbstmorde zu erforschen, lässt ihn auch ein zweites Rätsel nicht los: die Suche nach einem Wesen, das man in Afrika Tokoloshe nennt, dem man Zauberkräfte zuspricht und das selbst Caffery Angst einjagt. Und es scheint ihn zu verfolgen. Aber nicht nur er ist in einem Alptraum gefangen. Auch Flea gerät in einen unheilvollen Strudel von Ereignissen, als sie im Kofferraum ihres Wagens eine Tote entdeckt – eine Frau, nach der die Polizei von Bristol fieberhaft sucht …]

Der Klappentext klingt eigentlich recht vielversprechend – mir haben auch Mo Hayders frühe Romane mit und um Jack Caffery gefallen, vor allem „Der Vogelmann“, der zwar auch mit einer recht abstrusen Geschichte daherkam, aber trotzdem spannend und vor allem gut geschrieben war. Noch dazu spielt „Haut“ in Bristol, eine Stadt, in der ich eine Zeit lang wohnen durfte und ich mag es ganz gern, wenn man durch einen Roman oder eine Geschichte an bekannte Orte geführt wird.

„Haut“ ist der 4. Roman, in dem Jack Caffery als Hauptfigur auftritt – mittlerweile geht er einem allerdings richtig auf die Nerven – und scheinbar habe ich hier einen Fehler gemacht: Ich habe „Ritualmord“ (den 3. Teil) nicht gelesen und auf dieses Buch baut „Haut“ angeblich unmittelbar auf. Nun blieben mir viele Dinge völlig undurchsichtig, vor allem die unerklärten Bezüge zu der Geschichte in „Ritualmord“. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Autorin hier ein wenig Hilfestellung gegeben hätte. Sei es ein dem Ganzen vorgeschaltetes Info-Kapitel („Was vor ein paar Tagen geschah“) oder mehr Hintergrundinfos, in die Geschichte mit eingebaut.

Es gibt aber noch mehr Mängel als fehlende Hintergrundinfos. So bleibt zum Beispiel völlig unklar, welche Motivation den Morden zu Grunde liegt. Natürlich muss man nicht in jedem Psychothriller eine Psychostudie des Täters abliefern, Mo Hayder fängt aber im ersten Kapitel genau so an und lässt einen dann mehr und mehr im Unklaren. Im Verlauf der Geschichte verwässern Morde, Beweggründe und die zunächst detailliert beschriebenen Arbeiten der Gerichtsmedizin zu einer Kulisse für die sozialen Probleme der beiden Hauptcharaktere Jack Caffery und Flea Marley, die beide nicht gerade durch ihre fachliche Kompetenz als Polizisten glänzen. Dummerweise eignen sich auch beide nicht als sympathische Anti-Helden und so bleibt ein schaler Geschmack zurück, wenn die beiden sich eigentlich ähnlich kriminell verhalten wie die gejagten Verbrecher.

Trotz der unausgereiften Handlung sei zur Ehrenrettung des Romans gesagt, dass Mo Hayder eine gute Erzählerin ist. Dank ihres gut lesbaren und dennoch nicht banalen Schreibstils gerät die Geschichte nicht völlig aus den Fugen und die spannenden Momente, die es in diesem Buch durchaus gibt, lassen manchmal hoffen, das Ganze könnte doch noch den richtigen Drift bekommen. Unglücklicherweise passiert das nie – aber zwei Sternchen bei LovelyBooks ist „Haut“ dann doch noch wert.

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